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Schubladen in meinem Kopf

Vorurteils- und vielfaltssensible Haltung in der Pflege und Betreuung

Jeder Mensch besitzt durch seine Sozialisation, kulturelle Prägung, durch vermittelte Werte- und Normvorstellungen Vorurteile. Jede*r denkt in Verallgemeinerungen, bewertet eine ganze Gruppe auf der Grundlage einer einzelnen Erfahrung oder auch ohne jegliche persönliche Erfahrung.

Kategorisierungen und Abgrenzung sind menschlich und gehören von Geburt an als Teil unserer Entwicklung dazu. Problematisch wird es immer dann, wenn andere Menschen dadurch abgewertet, ausgegrenzt oder diskriminiert werden.

Wenn pflegebedürftige Menschen in eine Pflegeeinrichtung ziehen, verlassen sie damit ihr vertrautes Umfeld, ihren Freundes- und Bekanntenkreis. In der Einrichtung treffen sie dann auf Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensbiografien und Lebensweisen. Dies bietet Raum für ein angenehmes und vielfältiges Miteinanderleben, kann aber auch Platz für Diskriminierung und Vorurteile unter den Bewohner*innen, Pflegekräften bzw. Angehörigen bieten. Besonders vor dem Hintergrund, dass die aktuell sich im Pflegeprozess befindlichen Personen in Zeiten von Krieg, Verfolgung, Rassenhass etc. geprägt worden sind und dementsprechend das Anders-Sein oft noch als etwas Negatives ansehen.

Zudem kommen vor dem Hintergrund der Aufnahme von geflüchteten Menschen zwei weitere Aspekte in Zukunft zum Tragen:

In Pflegeeinrichtungen werden wir in Zukunft auch verstärkt auf Menschen aus anderen Herkunftsländern treffen. Den Aspekten kultursensibler Betreuung und Pflege muss somit in besonderer Weise Rechnung getragen werden. Auf diese Herausforderung müssen die Einrichtungen vorbereitet sein. Unser Projekt will mit dem Konzept der „vorurteils- und vielfaltsensiblen Haltung in der Pflege und Betreuung“ einen Beitrag zur interkulturellen Öffnung, zur Willkommens- und Anerkennungskultur, zu einer offenen Gesellschaft in und um Pflegeeinrichtungen leisten.

Ausgangspunkt des Konzeptes der „Vorurteils- und vielfaltsensiblen Haltung in der Pflege und Betreuung“ ist der Anti-Bias-Ansatz (Derman-Sparks und Brunson-Philips), ein Konzept der antidiskriminierenden Bildungsarbeit, das in der deutschen Bildungslandschaft seit einigen Jahren kontinuierlich an Bedeutung gewinnt

Das Anliegen der Anti-Bias-Arbeit ist es, eine intensive erfahrungsorientierte Auseinandersetzung mit Macht und Diskriminierung zu ermöglichen. Dabei konzentriert sich der Ansatz (anders als beispielsweise klassische Antirassismus- oder Antisexismustrainings) nicht auf eine spezifische Diskriminierungsform, sondern nimmt verschiedene Formen von Diskriminierung in den Blick und möchte Funktionsweisen und Mechanismen von Ausgrenzung herausarbeiten.

Folgende Hauptziele werden damit verfolgt:

  • Der*die Pflegebedürftige lebt in Würde, unabhängig von seinem*ihren persönlichen Hintergrund.
  • Die eigenen Vorurteile sind allen am Pflege- und Betreuungsprozess Beteiligten bewusst.

Dabei müssen alle am Pflege- und Betreuungsprozess Beteiligten einbezogen werden: das Pflegepersonal, die Leitung der Einrichtung, die Pflegebedürftigen selbst und ihre Angehörigen. Für die verschiedenen Beteiligten sind weitere Ziele formuliert:

Pflegebedürftige dürfen erkennen und akzeptieren, dass sie jeweils einen ganz eigenen und von anderen verschiedenen Hintergrund haben. Dies macht sie einzigartig und kann auf der anderen Seite auch zu Ausgrenzungen führen. Wichtig ist, dass sie in die Lage versetzt werden, jederzeit zu signalisieren, wenn sie sich diskriminiert bzw. nicht respektiert fühlen. Die am Pflege- und Betreuungsprozess Beteiligten müssen dabei in der Lage sein, diese Signale zu verstehen und zu akzeptieren.

In dem Maße, wie alle am Prozess beteiligten Personen sich ihrer Vorurteile bewusstwerden, ihre Haltung und die Auswirkungen auf ihr Handeln reflektieren, finden wichtige gesellschaftliche Bildungsprozesse statt, die nicht nur innerhalb der Einrichtung, sondern auch im privaten Bereich und im Umfeld der Einrichtung, in der Arbeit im Quartier und in der Arbeit mit Angehörigen wirken. Diese Ziele sollen durch ein Fortbildungs- und Supervisionskonzept erreicht werden, welches alle Bereiche der stationären Pflegeeinrichtung einbezieht. Mithilfe von abgestimmten Methoden der Erwachsenenbildung und der Supervision wird zunächst ein Prozess des Erkennens der eigenen Vorurteile angestoßen, der während des Projekts immer wieder reflektiert und auf der Handlungsebene umgesetzt wird.

Ansprechpartnerin: 
Julia Kowalski
Tel.: 0361 511 509 - 15
E-Mail: kowalski@awobildungswerk.de 

AWO Bildungswerk Thüringen gGmbH

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